Das Schwitzhütten-Ritual
Oft verbindet man die Schwitzhütte mit den nordamerikanischen indigenen Kulturen. Doch in Wahrheit wurden Schwitzhütten-Rituale in fast allen Teilen der Welt praktiziert. Während das Wissen dieser Rituale bei uns in unseren Breitengraden ausgestorben ist, haben die nordamerikanischen Ureinwohner die Tradition der Schwitzhütten-Zeremonien bis zum heutigen Tag beibehalten und als wichtiges Kulturgut bewahrt. Bei den Lakota, ein indigener Nordamerikanischer Stamm, wird die Entstehung der Schwitzhütte anhand der Ursprungsmyhte vom "Steinjunge" erzählt.
Dennoch wissen wir, dass auch Kelten und Germanen die Schwitzhütten für rituelle Zwecke nutzten und dies seit den Anfängen der Menschheit taten. Schwitzhütten-Rituale weisen eine äußerliche Ähnlichkeit mit finnischen Saunen oder russischen Banjas auf, allerdings haben diese kaum eine spirituelle Gemeinsamkeit. Bei den Saunen oder Banjas steht der Mittelpunkt auf die Stärkung des Immunsystems. Bei den Schwitzhütten-Ritualen spielt der gesundheitliche Aspekt eine untergeordnete Rolle. Sie sind eine der ältesten und traditionsreichsten Zeremonien der Welt und wurden zu rituellen Zwecken genutzt, um eine tiefere Ebene des Seins zu erreichen und dabei unsere Seele zu heilen. Die Hütte wird als schwangerer Bauch der Mutter Erde gesehen, in die der Mensch zurückkehrt, um anschließend neu geboren zu werden.
Der Aufbau der Schwitzhütte nach Lakota-Tradition erfolgt rituell. Es werden die 16 Stäbe kreisförmig in den Boden gesteckt, zusammen gebogen und mit Schnüren verbunden. Es entstehen vier Ringe (bei 16 Stäben), welche die Konstruktion stabilisieren. Jeder Stab steht dabei für den einzelnen Schritt der Schöpfung. Für die Abdeckung der Kuppelhütte werden Planen und Decken verwendet. Mit der Erde der ausgehobenen Grube im Inneren der Hütte wird vor der Schwitzhütte ein Altarhügel angelegt, der sogenannte Mondhügel. Dieser befindet sich zwischen der Feuerstelle und der Schwitzhütte. In der Zeremonie werden Mythen erzählt, gemeinsam Lieder gesungen oder es wird meditiert. Es kann eine innere Klarheit erreicht werden, in der sich Visionen entwickeln können. Es ist eine tiefgreifend-emotionale Erfahrung, die sowohl körperlich als auch spirituell erfahren werden kann.